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Biographie Klaus Bönisch

Klaus Bönisch wurde 1951 in Wörth/Donau geboren. 1979 beendete er das Jurastudium in Frankfurt mit dem 2. juristischen Staatsexamen.

Erfahrungen in der Musikbranche sammelte er ab 1979 als Assistent des Geschäftsführers von CBS Schallplatten (Sony), bevor er 1980 als Prokurist bei Mama Concerts & Rau einstieg. Dort war er bis 1982 und von 1987 bis 1997 tätig, ab 1993 als geschäftsführender Gesellschafter. Von 1982 bis 1986 arbeitete Klaus Bönisch als Berater in München und veranstaltete Konzerttourneen als geschäftsführender Gesellschafter der Enterprise Concerts GmbH.

1998 gründete er die Bönisch Consulting. Später die Bönisch Concerts GmbH zusammen mit Partnern aus Hamburg.

Seit 2002 ist er wieder selbständig mit der Klaus Bönisch Konzertagentur. 2003 erfolgte die Gründung der KBK Konzert– und Künstleragentur GmbH, deren alleiniger Inhaber und Geschäftsführer er ist. Kontakt über www.kb-k.com

Zum 1. Januar 2006 erwarb die DEAG 51% der Firma, deren weiterhin alleiniger Geschäftsführer Klaus Bönisch bleibt.

Klaus Bönisch war von 1993 bis 2006 Vorstandsmitglied im Verband der Deutschen Konzertdirektionen.

 

Dieser Fragebogen erschien in der Musikwoche Ausgabe 10 / 2004.

Vorname/Name: Klaus Bönisch

Position/Firma: Inhaber

Geburtsdatum: 9.7.51

Geburtsort: Wörth an der Donau

Wohnort: München

Ausbildung: Assesorexamen Jura

Familienstand: verh.

 

  • Über welches Thema kann man sich mit Ihnen gut streiten? Politik . Den immanent verwurzelten Anspruch der Behörden zu glauben den Bürger gängeln zu müssen. Steuergesetzgebung
  • Mit welchem Job haben Sie Ihr erstes Geld verdient? Post austragen während der Sommerferien
  • Worüber oder über wen können Sie herzhaft lachen? Über die kleinen Sorgen meiner Frau und den trockenen Humor meines Sohnes.
  • Wenn Sie jemanden mit einem Preis auszeichnen könnten - wem würden Sie welche Trophäe geben und wofür? Jedem Nicht Bush Wähler mit einem Dankesschreiben der freien Weltbürger.
  • Beschreiben Sie sich selbst mit drei Worten. Loyal , verantwortlich , vorausschauend
  • Was würden Sie ändern, wenn Sie in Ihrer Branche für einen Tag das Sagen hätten? Alle dazu verpflichten, einen Tag nur die Wahrheit zu sagen.
  • Sie gehören zu den ersten Siedlern auf einem neuen Planeten. Was haben Sie auf jedem Fall im Gepäck? Einen Fußball
  • Ihre Lebensphilosophie? Fördere die Selbstverantwortlichkeit und Selbstbestimmung der Menschen in Deiner privaten und beruflichen Umgebung. Denke immer positiv.
  • Worauf müssen sich die Menschen gefasst machen, die mit Ihnen zusammenarbeiten? Verantwortungsvoll und engagiert mitzudenken . Die Zielvorgabe zu erreichen und nur glückliche Menschen zu hinterlassen.
  • Was würden Sie heute machen, wenn Sie nicht in die Musikbranche gegangen wären? Rechtsanwalt oder vielleicht Filmregisseur bzw. Produzent .
  • Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit den meisten Spaß, und was mögen Sie am allerwenigsten? Gemeinsam mit einem Künstler und seinen Beratern und seiner Plattenfirma seinen Weg erfolgreicher zu gestalten. Die Ahnungs – und Phantasielosigkeit vieler Manager und anderer Künstlerverwalter, sowie die damit verbundene respektlose Ausnützung und Ausbeutung von künstlerischem Potential.
  • Welche Begegnung war die wichtigste in Ihrem Leben? Privat die Begegnung mit meiner Frau. Beruflich die Begegnung mit Paul Mc Cartney und die vielen Begegnungen mit Chris de Burgh.
  • Was ist Ihre größte Tugend, was ist Ihr größtes Laster? Das Vertrauen in die positive Entwicklung der Dinge. Ausschlafen
  • Was bringt Sie auf die Palme und was wieder herunter? Gedankenlosigkeit, Geschwätzigkeit und Intoleranz. Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der Autobahn. Die Vorfreude auf meine Privatsphäre.
  • Welches Musikstück möchten Sie hören, wenn Sie irgendwann die Bühne des Lebens verlassen? It`s time to say good bye.
  • Welche Platte haben Sie sich als erste selbst gekauft? Emerson , Lake and Palmer
  • Welche CD haben Sie zuletzt aus privatem Interesse gekauft? Seal , um meine Frau zu überraschen
  • Was ist Ihnen überaus peinlich? Zusagen oder Absprachen nicht einhalten zu können.
  • Welches Buch lesen Sie gerade? Bestellungen beim Universum
  • Was haben Sie sich persönlich für die nächsten zehn Jahre vorgenommen? Lustvoll und mit Freude zu arbeiten und zu leben, junge Menschen, Talente und gute Ideen zu fördern, meine Nachfolge zu klären und dann weniger zu arbeiten.

 

"Macht heute Nacht München zu!" - Klaus Bönisch im Interview (Teil 1)

360-Grad-Modell, nein danke? - Klaus Bönisch im Interview (Teil 2)

Die Zukunft von KBK - Klaus Bönisch im Interview (Teil 3)

"Macht heute Nacht München zu!" - Klaus Bönisch im Interview (Teil 1)

Die Krise der Tonträgerindustrie beschäftigt auch die deutschen Konzertveranstalter: Ob 360-Grad-Modell oder Band-Aufbau – wenn die Plattenbranche in der Luft hängt, muss auch das Live Biz rechnen. "Musikmarkt LIVE!" besuchte den Münchner Veranstalter Klaus Bönisch in seiner Agentur und fragte nach, mit welchen Problemen die Branche zurzeit zu kämpfen hat.

Musikmarkt LIVE!: Jeder redet im Moment vom so genannten Boom der Livebranche. Ist es ein Boom oder nur das Resultat einer soliden Entwicklung?

Klaus Bönisch: Ein Boom ist das meines Erachtens nicht. Wir haben nur das Glück, dass die Konzertbesucher über die jungen Generationen sozusagen natürlich nachwachsen und dass die Konzertbesucher der frühen Jahre heute noch gerne Livekonzerte besuchen. Leute, die mit Elvis Presley, den Beatles und den Rolling Stones aufgewachsen sind, haben sich von Rock und Pop nicht abgewandt. Die Großelterngeneration hat sich sicher mehr an der Klassik orientiert oder ist wenig ausgegangen, aber die heutige Elterngeneration ist fit, aktiv und möchte noch was erleben im Leben. Das ist ein wesentlicher Grund für die gewachsenen Zuschauerzahlen . Wir erreichen ein Publikumsspektrum von 6 bis 60 oder 65, damit vor allem auch die ältere Klientel, die das Geld hat, um diese hohen Ticketpreise zu bezahlen, die wir heute teilweise verlangen müssen.

Die öffentliche Diskussion nimmt sich meistens die Spitzenpreise zum Anlass und führt Beispiele wie die Rolling Stones und Barbra Streisand an. Aber der durchschnittliche Ticketpreis ist ja gar nicht so sehr in die Höhe gegangen.

Die Spitzenwerte sind explodiert. Der Durchschnittspreis hat sich ungefähr 1:1 von der Deutschen Mark zum Euro in den vergangenen Jahren erhöht. Bei einer der ersten Tourneen, die ich als eigenständiger Unternehmer durchgeführt habe, 1998 mit Deep Purple, haben wir 50 Mark in der Spitze genommen. Heute sind wir bei gestaffelten Preisen bei einem Sitzplatzticket schon bei 50 bis 55 Euro. Das liegt zum einen sicherlich an erhöhten Gagenforderungen der Künstler, die, wie wir alle wissen, ihre schlechteren Platteneinnahmen mit mehr Live-Auftritten zu kompensieren versuchen. Zum anderen sind natürlich auch die gesamten Nebenleistungen des Veranstalters professioneller und damit teurer geworden. Das muss man auch einmal deutlich machen. Früher fand ein Rockkonzert in einer viereckigen Halle ohne richtige Toiletten und einem nicht gerade professionellen Ordnungsdienst statt . Heute sind es meist Hallen, die auch die gestiegenen Bedürfnisse des Publikums nach Komfort berücksichtigen.

In welchen Bereichen wachsen die Kosten besonders?

Vor allem sind die örtlichen Kosten enorm gestiegen. Die Kommunen sind natürlich auf Grund der schlechten Situation der öffentlichen Haushalte auch angehalten, in ihren eigenen GmbHs, die in der Regel die Hallen verwalten, keine Verluste zu machen. Daher müssen sie entsprechende Mieten verlangen und wir Veranstalter erwarten im Gegenzug professionelle Arbeitsbedingungen, in die teils erheblich investiert wurde. Anforderungen der Behörden für zum Beispiel Brandschutzmaßnahmen und Sicherheit sind gestiegen, die Ordner müssen Gesundheitszeugnisse haben, müssen versichert sein, Unterweisungskurse bei den Ordnungsbehörden absolvieren. Die Hallen müssen angestellte Bühnenmeister haben. Das setzt gute Ausbildung von Personal voraus, deren Erfahrung auch gut bezahlt werden muß. Das Publikum erwartet professionelle Leistung und Komfort, dann ist es auch bereit, höhere Preise zu bezahlen.

Die Plakatierung ist ein weiteres typisches Beispiel für die gestiegen örtlichen Kosten. Wenn früher ein Konzert schlecht gelaufen ist, hat man drei Studenten ins Büro geholt und gesagt: "macht heute Nacht München zu". Das geht nicht mehr. Die Städtereklame, die ja mittlerweile leider von einem der größten privaten Plakatierungsunternehmen Deutschlands aufgekauft wurde, hat Exklusiv- und Hoheitsrechte und daher sehr hohe Preise, was zum Teil dazu führt, dass ich zumindest im Plakatbereich nicht mehr wie früher kurzfristig Promotion machen kann. Da man im Voraus bestimmte Werbemaßnahmen planen muss, ist das mit sehr hohen Kosten verbunden.

Radio und Fernsehen sind doch auch geeignete Promotion-Kanäle.

Die Radio- und Fernsehlandschaft löst keine Probleme, sie ist ein Problem: Früher gab es zahlreiche Sendungen, in denen im Vergleich zu heute wenige Bands vorgestellt wurden. Wenn angesagt wurde, jetzt kommt Supertramp, jetzt kommt Uriah Heep, wusste man, von wem man redet. Wenn man sich heute die Masse an Bands anschaut, weiß kaum jemand, wovon man spricht, da die breite visuelle und redaktionelle Plattform von Radio und TV nicht hergestellt wird. Ich muss sie teils selbst herstellen, mit Print-PR, im Radio, im Fernsehen. Ich muss den Act den Medienpartnern vorstellen, erklären und begeistern. Wenn das gelingt erreiche ich die Öffentlichkeit. Dann kann ich hoffen, dass sich das Produkt , sprich Karte verkauft. Ich muss heute viel mehr tun, um die Karte verkaufen zu können. Das ältere Publikum erkundigt sich meistens nicht aktiv über Künstler. Wir müssen die Besucher erreichen und anstoßen eine Karte zu kaufen. Unsere Ausgaben für die Kommunikation sind um ein Vielfaches höher als früher.

Was macht heutzutage effektive Kommunikation aus? Eine Mischung von Plakaten, Internet, Fernsehen und Radio?

Man versucht zunächst die Zielgruppe zu definieren, was macht sie, was liest sie, was hört sie. In die dann relevanten Medien gehen wir rein. Insgesamt ist es in der Tat ein Mix von allem geworden, wir stellen für die Künstler individuelle Kommunikationspakete zusammen. Aber auch da erleben wir Überraschungen. Am Anfang haben wir zum Beispiel bei Christina Stürmer gedacht, wir haben junge Leute zwischen 14 bis 18 zu erwarten. Und was ist passiert? Bei den ersten Konzerten haben wir festgestellt, dass ihre Zielgruppe eher bei 18 bis 35 ist. Man glaubt nach all der Berufserfahrung das Meiste zu wissen, aber man weiß es nicht immer. Bei La Fee haben wir ein ähnliches Publikum zwischen zwölf bis 16 wie bei Take That früher oder Tokio Hotel heute erwartet, aber sie waren noch jünger. Das macht es noch einmal schwieriger. Das ist ein Alter, in dem die Kids noch gar nicht allein länger als acht Uhr abends raus dürfen. Da haben wir plötzlich die Kinder mit den Eltern im Konzert. Wen müssen wir hier erreichen, die Eltern, damit sie den Kindern die Karten kaufen oder die Kinder, damit sie ihre Eltern bitten, die Karten zu kaufen?

Wie setzt sich das Publikum bei Katie Melua zusammen?

Da bin ich selbst mal gespannt. Für mich ist es die erste Zusammenarbeit. Ich hatte die klare Vision, dass Katie Melua ein großer Act in Deutschland ist, aber sie muss bestimmte Hallen spielen und diese müssen komplett bestuhlt sein. Die Vorverkaufszahlen, die wir jetzt erreicht haben, geben mir Recht. Wir werden im Bereich von ausverkauft bis 7.000 oder 7.500 liegen. Die großen Hallen in München und Stuttgart werden wir nicht ganz ausverkaufen, aber wir werden sehr ordentliche Ergebnisse erzielen, weitaus höhere als sie bisher in Deutschland hatte. Bei Konzerten, die bisher zum Großteil unbestuhlt waren.

Stichwort Flauten: Droht nachlassendes Interesse an Konzerten, eine Entwicklung, dass das Publikum "satt" ist, sagt, "es gibt so viele Konzerte, so viele kann ich ja gar nicht anschauen"?

Ich persönlich sehe da keine Müdigkeit. Die Neugier auf neue Acts ist sehr groß. So traurig die Plattenfirmen über das Internet und über Portale wie MySpace und YouTube sind, sind diese für uns natürlich von Vorteil. Sie kreieren großes Interesse an neuen Acts, die man sich dort anhören oder ansehen kann, und die man dann auch live erleben will. Das Live-Erlebnis ist für die jungen Leute genauso wichtig wie früher für die älteren Generationen. Klar muss eine Band auch live überzeugen. Ein wunderbares Beispiel sind sicherlich die Beatsteaks, die überproportional mehr Tickets verkaufen als Platten, weil mittlerweile jeder weiß, dass sie eine phänomenale Liveband sind. Das gleiche gilt in Deutschland für Die Toten Hosen und Die Ärzte – wobei die Ärzte auch extrem gut CDs verkaufen. Wenn man einmal in diesem Kreislauf der Akzeptanz drin ist und live überzeugt hat, dann ist speziell das deutsche Publikum sehr treu.

Der alte Spruch "Heute waren es 500, die waren begeistert, die kommen das nächste Mal wieder und bringen noch einen mit" trifft allerdings nicht mehr in dem Sinne zu. Meiner persönlichen Erfahrung nach gehen die Leute alle drei bis fünf Jahre zur selben Band, aber nicht alle anderthalb oder zwei Jahre. Je länger der Act da ist, desto länger ist auch der Zyklus. Alle vier, fünf Jahre möchte ich mit Sicherheit gerne einen meiner Lieblingskünstler sehen, speziell, wenn ich weiß, dass er sich auch weiter entwickelt und nicht nur Uralthits runterspielt. Viele Künstler können durchaus alle zwei Jahre auf Tournee gehen, weil ihr Zuschauerpotential groß genug ist , aber die meisten Fans gehen nicht alle zwei Jahre.

Gilt die Theorie, dass sich ein neues Album besser verkauft, wenn eine Band auf Tour geht?

Grundsätzlich würde ich sagen, ja, alleine schon aus Marketinggesichtspunkten. Ideal ist zunächst ein langer Vorverkaufszeitraum von etwa sieben bis neun Monaten, so dass ich flexibel auf die regional oft sehr unterschiedlichen Verkaufszahlen reagieren kann. Und zum zweiten sollte es klappen, innerhalb dieses Vorverkaufszeitraums – nicht zu nahe an der Tour, idealerweise zwei, drei Monate vorher – die neue CD zu veröffentlichen. Dann hat man zwei verschiedene Marketingansätze, den unsrigen und den der Plattenfirma. Wenn sich beide gegenseitig bewerben, hilft das sehr. Gerade, wenn es sich um einen Künstler handelt, der schon länger am Markt ist: Wenn es da gelingt, aus einer neuen Platte eine erfolgreiche Single auszukoppeln, verjüngt sich das Publikum, man kauft vielleicht ein Ticket – und anders herum, wenn die CD insgesamt gut verkauft, hilft das auch der Tournee. Eine erfolgreiche Tournee wiederum führt dazu, dass die Leute weitere CDs des Künstlers kaufen. Das ist eine gegenseitige Befruchtung, auf die ich nicht verzichten möchte.

Wie wichtig ist die nachhaltige Unterstützung von neuen Talenten?

Meine Frau Berit managt Tommy Reeve. Wir kennen ihn seit mittlerweile fast sechs Jahren, in der Öffentlichkeit kennt man ihn vielleicht seit einem Jahr. Wir müssen in kleinen Schritten arbeiten. Und man muss den Willen haben, jungen Menschen eine Chance geben und Zeit investieren. Man sieht doch, dass aus den "DSDS"-Leuten nicht wirklich etwas geworden ist. Woran liegt das? Weil sie gar keine Chance hatten, sich nach dem Erfolg bei "DSDS" eine Position zu erarbeiten. Man hat sie geformt, bis sie in eine Schublade gepasst haben, aber die Persönlichkeit ist nicht entwickelt worden. Früher hat alles ein wenig länger gedauert und die Bands konnten aus sich selbst heraus eher in ihr Selbstverständnis wachsen. Aber wenn heute jemand Erfolg hat, wird der Druck auf den Künstler groß. Wie soll er mit dem Druck klarkommen, wenn er 22 ist oder 23 ist? Welcher Mensch heute zwischen 18 und 23 weiß denn, was er in zehn Jahren macht, wie sich seine Einstellungen ändern werden? Man muss die Leute leben, sich entwickeln und erwachsen werden lassen. Es gibt genug Künstler, die heute mit 50 erfolgreicher sind denn je. Aber das sind alles starke Persönlichkeiten. Ob das ein Peter Maffay ist oder ein Bryan Adams, das sind alles Menschen, die haben sich ein Vertrauensumfeld geschaffen, haben bestimmte Verantwortung abgegeben und können sich selbst als Künstler entwickeln. Entscheidend ist auch, dass dieses Umfeld und die Mitarbeiter passen und mitwachsen. Udo Jürgens und Freddy Burger, das passt wie bei einer guten Ehe. In unserer Branche sind es die Menschen, die entscheidend sind. Wenn die richtigen Menschen zueinander finden, dann ist die Chance, dass ein Künstler Erfolg hat, sehr groß.

Die Leute kommen primär wegen der Musik. Aber bei nachhaltiger Entwicklung kommen sie, weil ein Künstler auf der Bühne und als Persönlichkeit überzeugt. Warum haben die Supertramps der früheren Jahre, die Chris de Burghs und wie sie alle heißen, denn ihre dritte, teilweise vierte Platte gebraucht, um groß zu werden? Sie müssen erst mal selbst wissen, wo sie hinwollen, für was sie stehen. Heute kann sich eine Plattenfirma diese Geduld gar nicht mehr erlauben. Heute drängen die Controller, die Wirtschaftsprüfer, branchenfremde Inhaber und Investoren auf kalkulierbaren Profit. Eine von Grund auf falsche Situation, leider.

Uns sprechen viele junge Leute an, und wenn jemand dabei ist, an den wir glauben, der keinen Plattenvertrag hat, gehe ich zu einer Plattenfirma und biete eine Zusammenarbeit an. Das ist für mich der sinnvolle Weg. Dann erst kann man überlegen, ob man sich quasi gegenseitig beteiligt. Dies ist es in gewisser Weise auch ein 360-Grad-Modell innerhalb eines fixierten Teams oder zwei bis drei fixierten Firmen.

360-Grad-Modell, nein danke? - Klaus Bönisch im Interview (Teil 2)

Das heißt, das 360-Grad-Modell, dass von einer Seite, ob vom Veranstalter oder von der Plattenfirma, ausgeht, macht eigentlich keinen Sinn.

Grundsätzlich halte ich von der 360-Grad-Idee wenig, schon gar nicht, wenn sie von den Plattenfirmen ausgeht. In den Plattenfirmen sitzen Leute mit einer gewissen Kernkompetenz, die wenig mit der Entwicklung der Live-Persönlichkeit eines Künstlers zu tun hat. Außerdem basiert unsere Branche auf völlig anderen Regeln und Beziehungsgeflechten, auf regionalen Unterschieden. Viele Entscheidungen trifft man aufgrund jahrelanger Erfahrung im Bauch. Das sind oft Dinge, für die man kein objektives, immer gültiges Raster finden kann. Trotz Jurastudium habe ich nebenher schon als Tourneeleiter gearbeitet, ich bin seit Anfang der 70er Jahre in der Branche und seit über 20 Jahren in entscheidenden Positionen. Und selbst ich traue mich nicht zu sagen: Ich weiß, wie es funktioniert. Man kann in unserem Beruf nicht alles wissen, vor allem weil man es mit kreativen Menschen zu tun hat. Das ist ja das Schöne an diesem Beruf. Die Arbeit mit spannenden Menschen. Früher saßen in den Plattenfirmen in den entscheidenden Positionen Menschen, die sich mit Musik auskannten und Musik geliebt haben. Man hatte die Zeit, das Geld und die Geduld, einen Künstler zu entwickeln. Das haben die Plattenfirmen heute meist nicht mehr. Oft passiert es mir, dass ich heute mit einem Mitarbeiter einer Plattenfirma über eine Tournee eines Künstlers rede, der ein halbes Jahr später plötzlich nicht mehr da ist. Die Künstler sind sehr sensible und auch schwierige Menschen. Aber die menschliche Beziehung ist der entscheidende Faktor in unserer Branche. Ich kann nicht zu jemandem sagen, "gib mir alle deine Rechte", und dann nicht in der Lage sein, mich langfristig um ihn zu kümmern. Ich muss mich in zwei Jahren genauso intensiv kümmern wie heute, und in sechs oder sieben Jahren ebenfalls. Ständig wechselnde Vertrauenspersonen können das nicht, das kann überhaupt nicht funktionieren.

Die Plattenfirmen begründen ihre Idee des 360-Grad-Modells damit, dass sie die Künstler entdecken und aufbauen. Sie wollen an den Live-Einnahmen beteiligt werden, als Resultat für die investierte Arbeit.

Das war im Ansatz früher sicher richtig. Ich sehe es aber heute anders, weil die Plattenfirmen nicht mehr die einzigen Entwickler sind. Viele Bands müssen sich erst mal durch eine Knochentour selbst entwickeln, indem sie kleine Clubs spielen und sich selbst promoten oder im Umfeld schon Leute haben, die für sie tätig sind. Die Plattenfirmen unterschreiben heute junge Bands oft nur noch, wenn sie eine Live-Historie haben. Es passiert ganz selten, dass der neue Act heute noch aus der Demotape-Kiste kommt. Das sind alles junge Leute, die in irgendeiner Form selbst auf sich aufmerksam machen. Man muss auch mal ganz offen sagen, dass viele Schallplattenverträge im Grunde genommen nahe an der Sittenwidrigkeit sind. Bis auf kleine Vorauszahlungen bekommen junge Künstler gar nichts und die Plattenfirma alles. Natürlich muss sie Geld investieren, und sie soll deshalb auch am Anfang den weitaus größeren Teil bekommen, aber bei den Neuverträgen bekommt sie eigentlich alles, zumal die jungen Künstler Promotion und Marketing im Ungleichgewicht mitfinanzieren. Man hat in den vergangenen Jahren auch den Fehler gemacht, im Glauben an weitere Umsatzsteigerungen, den großen Künstlern heute nicht mehr refinanzierbare überhöhte Vorauszahlungen zu leisten. Faire Verträge hätte man stattdessen machen müssen, alles wirklich gemeinsam verwerten. Dann wären die Künstler auch loyaler gewesen, und man hätte nicht diese geisteskranken Summen verhandeln müssen, nach dem Motto "ihr gebt mir 10.000.000 Dollar, dann verlängere ich für drei Jahre".

Sehen Sie denn eine Perspektive für das 360-Grad-Modell? Wird sich die Tonträgerbranche auf lange Sicht im Live-Markt etablieren, ob per Eigeninitiative oder per Zukauf?

Es wird darauf hinauslaufen, dass die jungen Leute Verträge unterschreiben müssen, mit denen sie quasi alle Rechte abtreten, inklusive Merchandising etc. Wie das z.B. mit dem Management funktionieren soll, weiß ich allerdings nicht! Wie soll denn mein Manager, wenn er auch meine Plattenfirma ist, meine Interessen vertreten und meine Rechte sichern? Das geht ganz und gar nicht. Diese Version des 360-Grad-Modells in der Hand einer Person, ob eine juristische oder natürliche Person ist egal, ist ein absolutes Ding der Unmöglichkeit. Eine derartige Komplettkontrolle würde einer strengen juristischen Prüfung sicherlich nicht standhalten. Aber in der engen Kommunikation und Kooperation, die man übrigens schon vor Jahren besser herbeiführen hätte müssen, sehe ich durchaus Ansatzpunkte: Dass man sich gemeinsam – ein Tourneeveranstalter, ein Verleger, eine Plattenfirma und jemand, der den Künstler als Manager unterstützt an einen Tisch setzt . Dann soll diese Gruppe den Künstler aufbauen und sich überlegen wie die Einnahmen verteilt werden und dem Künstler einen fairen Anteil abgeben.

Wird das nur bei Topkünstlern funktionieren?

Das 360-Grad-Modell gibt es ja schon. Viele Künstler und ihr Management haben vieles in die eigene Hand genommen. Das machen auch viele kleine Bands von Anfang an selbst. Die haben ihr Management, buchen ihre Tourneen teilweise selbst, machen ihren Deal mit dem Merchandiser und mit der Plattenfirma. Und wenn sie da nicht zufriedengestellt werden, veröffentlichen sie die Platten selbst übers Internet. Dass große Bands nun anscheinend langfristig einen 360-Grad Deal auf Grund von hohen Garantiezahlungen mit einem weltweit operierenden Liveentertainment Konzern abschließen, wird den Plattenfirmen und auch uns wehtun. Das kann man nur verhindern, wenn man Künstler von Anfang an fair behandelt und ein Beziehungsgeflecht schafft, in dem sich jeder wohl fühlt. Wenn Menschen sich miteinander wohlfühlen, werden nicht so schnell Verträge gekündigt – gerade wenn es um Künstler geht, die auch eine Heimat haben wollen und brauchen, ein Zuhause, Leute, mit denen sie sich vertrauensvoll austauschen können. Da redet man natürlich in einem anderen Klima über neue Vereinbarungen. Vertrauen ist eine Voraussetzung, die man gerade in unserer Branche herstellen muss. Wir verkaufen keine Schrauben, wir vermarkten künstlerische Leistungen und kreative Persönlichkeiten. Anderswo gibt es designte Produkte, die man erfolgreich nach Ergebnissen von Marketingumfragen entwickelt.

Das geht bei Musik nur sehr bedingt. Musik ist Emotion. Emotion ist kaum objektiv planbar.

Haben da Indie-Labels eine Chance?

Ja. Einer der wesentlichen Fehler der Majors – wenn man mal vom Internet und den illegalen Downloads absieht, welche ja gerne als Erklärung angeführt wird für die drastischen Umsatzrückgänge – war, dass man nicht mehr konsequent nachhaltige Künstler aufgebaut hat. Dies begann als die Mechanismen des Finanzmarktes in den Plattenfirmen zu greifen begannen. Plattenfirmen wurden zu Aktiengesellschaften, Controller und Wirtschaftsberater übernahmen das Ruder. Die intuitiv und kreativ Handelnden, die keine große Lust hatten, vierteljährlich Budgets zu schreiben, statt sich um Künstlerentwicklung zu kümmern, wurden entlassen. Dann gab es Co-Geschäftsführer, die aus der Betriebswirtschaft kamen und in Zahlen dachten, die einfach nicht kapiert haben, dass Emotion nicht kalkulierbar ist. Kontrolle durch das Geld, Kontrolle durch das Investment, demzufolge die Beschneidung der künstlerischen Entscheidung, das ist für mich auch ein wesentlicher Grund, warum es in der Konsequenz zu Umsatzrückgängen kam. Warum hat Heinz Canibol mit seinem kleinen Label 105 Erfolg? Weil er an den Künstler glaubt und sich individuell und nachhaltig für ihn einsetzt.

Hat man auch zu sehr auf die junge Zielgruppe gesetzt?

Ja, in den 90er Jahren hat man einen extremen Jugendwahn entwickelt. In den A&R Abteilungen saß keiner mehr, der über 25 war und man hat dabei völlig vergessen, dass es eine Zielgruppe jenseits der 30 gibt. Es war nicht hip und nicht "credible", für diese Leute Musik zu entwickeln. Die großen alten Namen hat man gepflegt und irgendwo im Keller gab es auch noch die Schlager- und Volksmusikabteilung. Wenn man sich heute ansieht, was bestimmte Schlagerstars im Verhältnis zu Rock- und Popinterpreten verkaufen, muss man sich doch fragen, warum man diese Künstler vernachlässigt. Entscheidend sind die musikalischen Emotionen, die erzeugt werden. Die finden sich nun mal in jedem Genre und finden auch ihr Publikum. Das Zielpublikum jenseits der 35 mit kommerziellem Geschmack und Kaufwillen hat man in der Neuentwicklung von Künstlern fast komplett vernachlässigt.

Bringt die heutige deutsche Radiolandschaft den jungen Acts noch etwas?

Die deutsche Radiolandschaft macht es jungen Acts fast unmöglich gespielt zu werden. Die Formatierung ist das Schlimmste, was es gibt. Formatierung ist gleichzusetzen mit dem Prinzip von "DSDS". Ist ja klar, wenn ich viele Leute frage, ist das Ergebnis ein Konzentrat von Durchschnittlichkeit. Logisch! Aber Musik kann nicht durchschnittlich sein, schon gar nicht junge Musik. Und bei Musik gibt es keinen Durchschnittsgeschmack. Es gibt Menschen, die stehen auf Roland Kaiser und gehen trotzdem in die Oper, haben ein Stones-Album zu Hause und kaufen sich eine Eintrittskarte für Peter Maffay. Was beim Radio herauskommt, ist tödlich für den Aufbau von jungen Acts. Beim Fernsehen war es noch schlimmer. Musik im Fernsehen, außerhalb von MTV und Viva, war jahrelang außen vor. Musikformate bringen keine Quoten, hieß es immer. Und dann kamen plötzlich diese komischen Chart-Shows. Die sind aber immerhin halbwegs erfolgreich und bringen Musik zurück ins Fernsehen. Wenn man die Formate ein bisschen spannend entwickelt, erreichen Musikformate sehr wohl die Zuschauer. Musikformate sind nicht so teuer wie ein Sat1-Spielfilm. Stefan Raab hat es bewiesen. Über ihn kann man denken, was man will, aber sein "Bundesvision Song Contest" und "SSDS..." sind sensationell gut. Das sind Sendungen mit überschaubaren Produktionskosten und sie erreichen die berühmte werberelevante Zielgruppe in hohen sechs – bis siebenstelligen Zahlen. Wenn du den Willen und die Phantasie hast, kannst du immer etwas Neues entwickeln. Vor 15 Jahren, als die Plattenfirmen noch im Geld schwammen, hätte man wohl über Viva hinaus weitere Vermarktungsplattformen aufbauen müssen.

Die Zukunft von KBK - Klaus Bönisch im Interview (Teil 3)

Sie hatten vor kurzem ein neues Thema Generationenwechsel in der Agentur angesprochen, wie steht es da in Ihrer Agentur zur Zeit?

So wie junge Künstler nachwachsen, brauchen junge Künstler auch junge Ansprechpartner. Da werden wir Alten sicherlich gerne noch um einen Ratschlag gefragt, aber im Tagesgeschäft möchte man doch eher mit Gleichaltrigen kommunizieren. Deshalb habe ich konsequenterweise vor zwei Jahren angefangen, junge Leute in der Firma einzustellen, die nicht unbedingt schon sofort in meine Fußstapfen treten sollen, aber in der Lage sind, eigene Fußspuren auf dem Feld zu hinterlassen und junge Künstler an die Firma zu binden, an die sie glauben. Ich unterstütze die jungen Leute bei diesen Themen. Dabei muss ich mich auch auf sie und ihr Gespür für Qualität und Potential verlassen. Ich kann nicht von einer Mitarbeiterin erwarten, dass sie bei einem bestimmten Künstler, den ich mag, das gleiche Herzblut entwickelt wie ich. Daher gestehe ich ihm oder ihr die Freiheit zu, das Herzblut für etwas zu entwickeln, was vielleicht nicht unbedingt mein Ding ist. Ich denke, wenn einer meiner Mitarbeiter fest an den Erfolg eines Künstlers glaubt, so sollte es uns gemeinsam gelingen noch mehr Leute zu finden, die Freude mit diesem Künstler haben.

Das ist nicht immer einfach. Wir tun uns sehr schwer gegen Lieberberg und andere große Agenturen, speziell wenn sie große Festivals betreiben. Bei vielen jungen neuen Thema sind wir im Pitch, aber wir verlieren oft, weil die Agenten zum einen loyal sind zu langjährigen Geschäftspartnern oder wir eben den Slot auf dem Festival nicht bieten können. Da müssen wir uns langfristig mit qualitativem und sympathischem Engagement durchsetzen. Erste Erfolge haben wir jetzt mit Kaizers Orchestra, Navel und Duke Spirit erzielt.

Irgendwann im Leben muss man erkennen wenn es Zeit wird die jungen Leute mehr in die Verantwortung zu nehmen. Das ist bei mir derzeit angesagt.

Wie wird es für Sie persönlich weitergehen?

Ich gehöre zu denjenigen, die sicher mit 70 noch ein wenig arbeiten wollen, aber nur wenn es noch Spaß macht. Mit jungen Leuten zu arbeiten bereitet mir mehr Freude, als einfach nur eine Tournee nach der anderen zu veranstalten, und mich darum zu kümmern, dass Geld hängen bleibt. Die größte Motivation und die große Herausforderung in unserem Job ist für mich, an etwas zu glauben. Das ist die Kreativität des Logistikers: Kreativ zu sein, obwohl ich persönlich nicht kreativ bin. Meine Kreativität besteht darin, dass ich an die Kreativität anderer glauben und etwas aufbauen kann. Das ist ein wirklich schönes Gefühl. Oder wenn man eine lange Beziehung hat, wie etwa bei mir mit Chris de Burgh und seinem Manager Kenny Thomson, in der du vertrauensvoll über Jahre oder Jahrzehnte zusammenarbeitest.

Aber es gibt Rahmenbedingungen in unserem Job, die wenig Spaß machen.

Zum Beispiel?

Lärmschutzbestimmungen. Musik ist kein Lärm. Und andererseits kann Lärm auch Kunst sein. Wenn einer heute mit einem Presslufthammer arbeitet, dies fünf Tage die Woche, acht Stunden am Tag, dann braucht es Schutzbestimmungen. Aber wenn ich auf ein Konzert gehe, drei Stunden, dann muss es so laut sein, wie es laut sein muss. Klar, die Verantwortung auf die Gefahr von Lautstärke hinzuweisen akzeptiere ich gerne. Ich habe bei Manowar, die im übrigen nicht mehr so laut sind, wie sie einst waren, in Absprache mit der Band den Leuten angeboten, dass sie sich bis 15 Minuten nach Beginn des Auftritts das Eintrittsgeld zurückzahlen lassen können, wenn es ihnen zu laut war. Diese Möglichkeit haben jeden Abend zwischen acht und 16 Konzertbesucher im Schnitt wahrgenommen, mehr waren es nie. Wir haben Ohrenstöpsel zu einem günstigen Preis angeboten. In jeder Halle kann man Bereiche ausweisen, in denen es leiser ist. Die Aufklärung muss stattfinden, das steht völlig außer Frage. Aber die Entscheidung wem und was ich mich aussetze, muss ich dem Einzelnen überlassen. Wir dürfen uns nicht auf eine Diskussion von einem Dezibel mehr oder weniger einlassen. Es gibt nur entweder/oder in diesem Bereich. Die Kunst muss auch manchmal stören. Ich habe wenig Verständnis dafür, dass Konzerte im Sommer um 22.00 Uhr zu Ende sein müssen auf Grund des Immissionsschutzgesetzes. Wenn ich in der Stadt lebe, muß ich auch gewisse Einschränkungen akzeptieren. Wenn ich Ruhe haben will, muss ich halt aufs Land ziehen. So einfach ist das. Ich kann nicht die Annehmlichkeiten einer Stadt als Einwohner in Anspruch nehmen und mich dann darüber beschweren, dass in dieser Stadt urbanes Leben stattfindet. Die Innenstädte sind schon öde genug und wir bekommen in den Städten sogar auf vorhandenen Plätzen viel zu wenig Unterstützung von den Kommunen etwas zu veranstalten.

Das Interview führten Stefan Zarges und Margaretha Löffler.

 

Das KBK Team mit Sarah und Vera Klima , Februar 2008

 

Max, Marion und Volker Hirsch (Taubertal Festival) beim Noorderslag 2008 in Groningen

 

Daniel Tauer, Maheé Torak, Berit Bönisch und Aliah Riedmiller bei der MTV Aftershowparty von Universal

 

Klaus Bönisch, Hauke Steinhof, Marion von Aschwege und Alexander Kiss bei der MTV Aftershowparty von Sony BMG

 

Oktoberfest 2007

Diesem Event haben wir eine eigene Seite gewidmet...

...hier gehts zu unseren Oktoberfestimpressionen 2007 gemeinsam mit Gotthard

 

Klaus Bönisch im Amphitheater in Gelsenkirchen am 25.6.2002

Berit Bönisch

Berit und Klaus Bönisch - Endlich im neuen Büro.

 

Animal Alpha mit Stefan und Marion beim WDR Rockpalast Weihnachtskonzert am 16.12.06 im Kölner Palladium.

 

"Revolverheld, die am 10.02.2006 in der Dortmunder Westfalenhalle Deep Purple supportet haben. Hier gibt´s einen Auszug aus ihrem Tagebuch zu diesem Erlebnis zu lesen:"

 

In Wien trafen sich anlässlich der Amadeus Verleihung das Team um Christina Stürmer und freuten sich mit der Künstlerin über zwei gewonnene Awards und den Sprung in die deutschen Singlecharts auf Platz neun.

 

Heinz Preisch (KBK Konzert- und Künstleragentur), Bernd Rengelshausen (Management Christina Stürmer), Andreas Streit (Management Christina Stürmer), Christina Stürmer, Klaus Bönisch (KBK Konzert- und Künstleragentur), Rainer Moslener (Management Christina Stürmer)

 

Scooter und Klaus Bönisch am 20.1.2004 im Zenith in München.

 

Deep Purple , Klaus Meine und Rudolph Schenker von den Scorpions und WBO Weltmeister Dariuz Michalczewski in Braunschweig in der Volkswagenhalle am 3.9.2002.

 

Deep Purple , Molly Hatchet , Klaus Bönisch und Berit Bönisch in der Olympiahalle München am 31.10. 2003.

 

MusikWoche Interview Klaus Bönisch

MusikWoche: Haben Sie jemals bereut, Teil der DEAG-Familie geworden zu sein?

Klaus Bönisch: Wir haben den Vertrag mit der DEAG im Dezember 2005 unterschrieben – und ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich den Schritt nie bereut habe. Die Kommunikation zwischen uns und Berlin verläuft hervorragend. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Peter Schwenkow, Ingo Stein und Christian Diekmann. In den nun zweieinhalb Jahren gab es nie eine kontroverse Diskussion, sondern immer nur Diskussionen, die zu gemeinsam getragenen Ergebnissen geführt haben. Ich bin sogar sehr froh, dass ich bei Entscheidungen, bei denen es um viel Geld oder um langfristige Auswirkungen geht, jemanden habe, mit dem ich mich beraten kann. Bei DEAG wird im Sinne meiner Firma entschieden, sie nehmen Rücksicht auf die Identität von KBK und reden mir nicht herein. Tagesentscheidungen und auch die wesentlichen Tournee-Entscheidungen treffe ich im Grunde komplett alleine. Sobald es aber in den hohen sechsstelligen oder siebenstelligen Bereich geht, halte ich gerne Rücksprache. Das habe ich sehr zu schätzen gelernt.

MW: Wo liegen die Vorteile, wenn man unter dem DEAG-Dach arbeitet?

Bönisch: Wir nutzen sehr konsequent gemeinsame Marketingplattformen oder Promotion-Experten wie Michael van Almsick, den ich jederzeit anrufen kann, ohne dass er mir sofort eine Rechnung schickt. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir gemeinsame Anzeigen schalten, die dann durch die Größe stark rabattiert werden. Die Geschäftsführer der DEAG-Konzertagenturen haben zusammen mit Clemens Wiese und Christian Dieckmann von DEAG jeden Mittwoch eine Telefonkonferenz, bei der wir uns austauschen, um beispielsweise zu verhindern, dass wir für den gleichen Act Angebote abgeben. Darüber hinaus treffen wir uns mindestens einmal pro Jahr in Berlin oder auf Mallorca, um in einer sehr angenehmen Runde neue Ideen und Visionen zu entwickeln.

MW: Könnten Sie ein konkretes Beispiel für die Vorteile der DEAG-Strukturen nennen?

Bönisch: John Giddings, einer der größten englischen Agenten, arbeitet zwar fast ausschließlich mit Peter Rieger, hat aber wegen gemeinsamer Projekte in der Vergangenheit auch einen sehr guten Kontakt zu Peter Schwenkow. Und als Giddings dann bei Schwenkow anrief, um zu fragen, ob die DEAG nicht die Deutschlandtournee von The Who veranstalten wolle, informierte Peter Schwenkow mich. Daraufhin habe ich etwas überlegt und schließlich gemeinsam mit DEAG Concerts diese Tournee gemacht. Ein anderes gutes Beispiel ist LaFee. Wir als KBK hatten einen sehr guten Draht zu Christian Vater, der zurzeit eine Auszeit bei DEAG nimmt, und haben dann mit ihm und in Zusammenarbeit mit dem LaFee-Produzenten Bob Arnz die Live-Aktivitäten von LaFee betreut.

MW: Gibt es denn regelrechte Absprachen, wer sich um welche Tournee bietet?

Bönisch: Jede Firma hat eh ihre historisch gewachsenen Kontakte und so werden wir als KBK beispielsweise nicht die guten Beziehungen eines Johannes Wessels von mpe oder eines Hermjo Klein von ACE zu einem ihrer Künstler angehen. Das ist selbstverständlich. Und wenn es um neue Acts geht, reden wir darüber. Aber auch hier hat es bislang keine Probleme innerhalb der DEAG-Gruppe gegeben. Im Gegenteil – daraus entstehen oft Kooperationen. So haben wir die Tour der Bloodhound Gang mit creative talent ausgerichtet, weil wir ähnliche Vorstellungen über diese Tour hatten. Oder wir konnten The Cult, die mit mpe zusammenarbeiten, bei unserer Who-Tour als Vorgruppe unterbringen.

MW: Hat die Live-Branche durch die vielen Übernahmen und Zusammenschlüsse nicht ihren ursprünglichen Charakter verloren?

Bönisch: Das kann ich für uns so nicht bestätigen. Denn zum einen waren es ja vor allem Beteiligungen und zum anderen haben alle Akteure in diesem Geschäft, ob das nun Live Nation, Klaus-Peter Schulenberg oder eben Peter Schwenkow sind, große Erfahrung im Konzertgeschäft. Sie haben erkannt, dass eine profitable Beteiligung an einer Firma nur dann möglich ist, wenn man ihr die größtmögliche Freiheit gewährt. Denn das Live-Geschäft ist in ganz starkem Maße ein People’s Business. Und wenn die entscheidenden Personen eines Unternehmens, an dem sich ein Konzern beteiligt hat, keinen Spaß bei der Arbeit haben oder sich von dem Konzern genervt fühlen, kommt auch kein Profit herein. Denn in diesem Fall lehnt sich der Veranstalter in seinen Lehnstuhl zurück, freut sich dank der verkauften Anteile über seine Altersversorgung und macht nur das Nötigste. Eine kluge Beteiligungsgesellschaft will aber genau das verhindern und setzt vielmehr alles daran, die jeweiligen Personen zu motivieren, sie fair und gut zu behandeln. Und genau das Gefühl habe ich auch bei DEAG und uns.

MW: Wie hat sich das Live-Geschäft verändert?

Bönisch: Im Grunde hat sich unsere Branche im Vergleich zum Tonträgergeschäft gar nicht so sehr verändert, wenn man davon absieht, dass die Anzahl der Konzerte eher größer als geringer ist, wodurch als Nebeneffekt die Eintrittspreise im Schnitt leider viel höher geworden sind. Das ist jedoch nicht nur durch die erhöhten Künstlergagen bedingt, die sich wiederum aus den eklatant gestiegenen Produktionskosten erklären lassen. Zwar wird oft ein Produktionskostenwahnsinn betrieben, der nicht nötig wäre – etwa wenn große amerikanische Produktionen nach Europa kommen, die hier dann nicht in die Hallen passen. Da ist viel Unvernunft im Spiel, wenn man nicht bereit ist, dies zu reduzieren. Aber die höheren Eintrittspreise haben auch sehr stark mit den gestiegenen örtlichen Kosten zu tun. Wir bieten dem Publikum wesentlich mehr Komfort als noch vor 20 Jahren. Inzwischen bespielen wir große Hallen, die viele Sitzplätze, eine halbwegs ansprechende Gastronomie und Parkplätze bieten. Auch sind die Sicherheitsbestimmungen mit einem gestiegenen Anspruch an das Personal viel detaillierter geworden. Massiv angewachsen sind auch unsere Werbekosten – die Zeiten der Wildplakatierung sind vorbei. Wir operieren mittlerweile mit sehr langen Vorverkaufszeiträumen, was zwar wegen der verschiedenen regionalen Märkte sinnvoll ist, aber wir müssen auch entsprechend lange werben, so dass die Anzeigenkosten stark angezogen sind. Und nicht jede Tournee bringt Profit. Das Risiko, mit einer Tour viel Geld zu verlieren, ist sehr groß. Deswegen müssen wir uns ein Polster schaffen, um diese Verluste tragen zu können. Nimmt man all diese Faktoren zusammen, so haben wir eine Erklärung für die gestiegenen Eintrittspreise – auch wenn man darüber sicherlich streiten kann. Aber letztlich ist ein Live-Konzert ein einmaliges Erlebnis, das man nicht reproduzieren kann und das deswegen auch seinen Preis haben muss. Zudem liegt eine gute Karte für ein Fußballspiel auch schnell bei 60 Euro – ganz zu schweigen von Tickets für die Oper, die zudem noch massiv subventioniert sind.

MW: Spielt auch die Ausländersteuer in die Preisentwicklung mit hinein?

Bönisch: Ja, denn sie ist von den Steuerbehörden noch immer nicht pragmatisch den Bedürfnissen des Marktes angepasst worden. Das führt dazu, dass die Künstler große Cashflow-Probleme haben. Denn wir müssen bestimmte Beträge einbehalten wie etwa die Künstlersozialkasse, die uns unnötigerweise belastet. Denn es sind immer nur wenige Erfolgreiche, die für viele Unerfolgreiche ihre breite Schulter geben müssen. Das beruht zwar auf dem grundsätzlich richtigen Prinzip des Sozialstaats, aber in dem konkreten Fall frage ich, warum Wenige immer Viele finanzieren müssen. Schließlich gibt es im Leben auch eine gewisse Eigenverantwortung, der man sich stellen sollte.

MW: Wieso ist es so wichtig, dieser Steuerproblematik Herr zu werden?

Bönisch: Es gilt dringend, dieses Problem zu lösen. Trotz Staatsminister Bernd Neumann ist die Bundesregierung nicht in der Lage, dem Markt angepasste Formen zu entwickeln. Die Besteuerungsgrundlagen sind nach wie vor unklar und man sieht einfach nicht, dass man die Technik und die Produktion im Umfeld eines Künstlers nicht besteuern darf. Es kann nicht sein, dass ein Künstler nach Abzug aller Kosten ohne eine müde Mark nach Hause geht – nur mit einer Steuerquittung. Wir brauchen eine politische Entscheidung. Die Politik muss bereit sein, sich mit den Profis an einen Tisch zu setzen und darf sich nicht von irgendwelchen Betriebsprüfern und regionalen Unterschieden abhängig machen. Wir brauchen auf Seite der Finanzämter Leute, mit denen wir vernünftig reden können. Es müssen Regeln her, die wir dann einhalten können. Aber es müssen Regeln sein, die sich aus dem Verständnis des Marktes speisen. Das sind im jedoch alles sehr politische Fragen und im Grunde bräuchten wir in Deutschland unbedingt einen Gesamtverband Kultur – so wie es etwa auch einen Gesamtverband Metall oder andere übergreifende Branchenverbände gibt. Und zu einem Gesamtverband Kultur gehören dann nicht nur die Konzertveranstalter, sondern auch die Plattenfirmen, Hallenbetreiber, Theater und alle sonstigen Kulturschaffenden. Das wäre dann eine mächtige Stimme im Land, die auch etwas bewegen könnte.

MW: Wie haben die Veränderungen der Musikbranche das Geschäft der Konzertveranstalter tangiert?

Bönisch: Früher konnte man relativ genau vom Tonträgerverkauf auf das Eintrittskartenpotenzial eines Künstlers zurück schließen. Bei den teilweise geringen Absatzzahlen von Tonträgern fällt das viel schwerer und die Bauchentscheidung sowie die Erfahrung des Veranstalters sind noch gefragter. Wir sind angehalten, in unseren Marketingentscheidungen noch flexibler zu sein. Die beiden Hauptaufgaben als Veranstalter liegen heute darin, einen Künstler zu evaluieren und zu erkennen, wo die Zielgruppe für ihn liegt.

MW: Wie beurteilen Sie 360-Grad-Modelle?

Bönisch: Echte 360-Grad-Modell gibt es so gut wie gar nicht. Wenn die Plattenfirmen 360 Grad sagen, meinen sie eigentlich 180 oder 270 Grad. Denn ganz selten haben sie von einem Künstler alle Rechte. Das hätte man vielleicht gerne - aber ich halte das auch für juristisch bedenklich, wenn ein Künstler all seine Rechte an eine Person oder Firma abtritt. Das wäre letztlich sittenwidrig. In Wirklichkeit geht es doch um ganz andere Modelle und um andere Prozentzahlen. Denn dass jeder versucht, bei der berühmten Wertschöpfungskette seinen Anteil zu vergrößern, ist legitim. Jeder Veranstalter oder Plattenfirmenbetreiber wird künftig versuchen, ein größeres Stück vom Kuchen zu bekommen. Das muss er auch, weil das Risiko immer höher wird. Für uns als Veranstalter bedeutet das, sich in einer Ära, die nicht mehr einseitig von großen Plattenfirmen geprägt ist, nach neuen Möglichkeiten auszuschauen. So können auch wir im Zeitalter der Digitalisierung und der schnellen Kommunikation Deals mit Bands machen, bei denen wir sie etwas umfassender betreuen. Dabei lautet mein Ziel aber nie 360 Grad. Vielmehr geht es mir darum, für einen Künstler eine passende Gruppe an einem Tisch zu versammeln, um dann zu entscheiden, wie man ihn gemeinsam am besten aufbauen kann. Das könnte man dann ein kommunikatives 360-Grad-Modell nennen, wenn man so will.

MW: Wie sähe das in der Praxis aus?

Bönisch: Durch die Integration von jungen Mitarbeitern wie Marion von Aschwege oder Max Rüdel und weiteren Leuten, die im Laufe des Jahres folgen werden, haben wir bei KBK eine Situation geschaffen, bei der wir selber losziehen und mit Plattenfirmen reden können – ganz egal ob das nun DEAG Music oder ein anderes Label ist. Wir können etwa von einem phantastischen Newcomer erzählen, an den wir glauben, und dann gemeinsam überlegen, wie man so ein Thema strukturieren kann.

MW: Also steht die Aufbauarbeit an vorderster Stelle?

Bönisch: Das ist eine ganz wesentliche Philosophie von mir. Ich bin immer bereit, junge Künstler zu fördern und sie auch langfristig zu begleiten. So haben wir per Zufall in Italien eine nicht nur Erfolg versprechende, sondern - wie ich meine - beinahe schon Erfolg garantierende Künstlerin entdeckt: Dolcenera. Mit ihr arbeiten wir konsequent nun schon seit anderthalb Jahren, sie nimmt gerade ihr zweites Album auf. Hier waren sie frühzeitig in die Gespräche mit Plattenfirmen involviert – auch international. Wir haben dabei ein Team um sie herum gebaut, das ihre Karriere in die Hand nimmt. Aber ich bin nicht so vermessen, um zu behaupten, dass ich das alleine könnte.

MW: Wie hat man sich diese Aufbauarbeit vorzustellen?

Bönisch: Bei jedem Gespräch, das ich mit einer Person aus der Musikbranche führe, biete ich diese Kommunikation an, also dieses frühzeitige Engagement, die Bereitschaft, langfristig zu denken und einen Künstler aufzubauen. Das ist einer meiner zentralen Grundsätze in diesem Geschäft. Und das mache ich sehr gerne. Denn diese Aufbauarbeit gehört zu den befriedigenden Seite des Jobs – sie ist die Kreativität des Logistikers, wie ich das nenne. Denn in vielerlei Hinsicht sind wir doch vor allem Dienstleister für den Künstler. Aber zumindest unter dem Aufbau-Aspekt können wir auch unsere Kreativität ausleben und den hoffentlich richtigen Weg einschlagen, um dem Künstler zum Erfolg verhelfen.

MW: Und wie sieht dieser Weg aus?

Bönisch: Marek Lieberberg oder auch FKP Scorpio haben den Vorteil, dass sie sehr erfolgreiche Festivals veranstalten, auf denen sie jungen Bands eine tolle Plattform bieten können, die uns leider fehlt. Wir müssen uns die Kontakte zu jungen Acts oder den Menschen, die sie vertreten, durch Kommunikation, Sympathie und einen guten Job erarbeiten. Dazu gehören etwa unsere Showcases. Allein in Berlin haben wir zuletzt zwei dieser Veranstaltungen mit je drei Bands ausgerichtet, auf denen sich immer gute Gespräche ergeben. Gleiches gilt für den Münchner Branchenstammtisch, den wir initiiert haben.

MW: In den vergangenen Jahren haben Sie nicht nur das Team von KBK verjüngt, sondern auch den Künstlerstamm erweitert. Wie kam es dazu?

Bönisch: Das war ein ganz bewusster Schritt. Vor vier Jahren stand ich vor der Frage, wie es nun weitergehen soll. Im Grunde hätte ich auch von zuhause aus, vielleicht mit einer Assistentin, den Künstlerstamm weiter betreuen können, den ich mir in all den Jahren aufgebaut hatte. Aber dann wäre ich irgendwann mit meinen Künstlern ausgestorben. Das wäre aufgrund meines Alters vielleicht auch ok gewesen, und finanziell wäre es mir sehr gut dabei gegangen, vielleicht sogar besser als jetzt - wobei es mir derzeit auch wirklich gut geht. Aber ich habe noch einmal mein Risiko erhöht, ich habe noch einmal die Herausforderung gesucht und wollte mir noch einmal etwas aufbauen im Leben. Und das ging nur über neues Geschäft. Und neues Geschäft in unserer Branche bedeutet neue Künstler und zu hoffen, dass diese sich in den Jahren entwickeln. Dafür brauchte ich junge Mitarbeiter in der Altersgruppe der Künstler, die ich dann mit meiner Erfahrung unterfüttern konnte. Dennoch muss ich Büroräume und Gehälter bezahlen, denn all diese jungen Acts sind letztlich nur ein Investment. Damit kann man noch kein Geld verdienen. Deswegen bin ich froh, dass ich diese nötigen Erlöse mit meinen arrivierten Künstlern wie Chris de Burgh oder Deep Purple verdienen kann, um mir diesen jungen Zweig leisten zu können. Aber natürlich gehe ich mittel- bis langfristig davon aus, dass wir Künstler aufbauen, die dann auch Geld in die Kasse bringen. Mit Christina Stürmer ist uns das hervorragend gelungen. Nach den Anfangsjahren, in denen wir viel investiert haben, konnten wir bei ihrer Tour 2007 profitabel arbeiten. Und auch bei LaFee werden die Ergebnisse immer besser.

MW: Glauben Sie, dass unter den jungen Bands auch die nächsten Deep Purple heranwachsen, die künftig einmal die Hallen oder Stadien füllen können?

Bönisch: Ja, im Live-Geschäft glaube ich daran. Wenn eine Band in der Lage ist, Songs zu schreiben, die im Radio gespielt und die von vielen Menschen gemocht werden, und wenn sie sich dann zehn Jahre oder länger auf einem hohen Niveau halten, sehe ich die große Chance, sich zumindest zu Acts zu entwickeln, die eine Olympiahalle in München zweimal hintereinander füllen können. Man denke an Beispiele aus den 80er oder 90er Jahren wie Metallica, Red Hot Chili Peppers, Depeche Mode oder Linkin Park – es sind nicht nur die alten Bands, die mittlerweile diese Größe erreicht haben. Schließlich haben die Rolling Stones oder Deep Purple auch ihre Zeit gebraucht, bevor sie Stadien gefüllt haben.

MW: Also ist der entscheidende Faktor der lange Atem?

Bönisch: Das ist einer der Gründe, warum es den Plattenfirmen heute so schlecht geht. Sie haben es in der jüngsten Vergangenheit versäumt, nachhaltige Bands für die Zielgruppe der über 25- oder über 30-Jährigen aufzubauen. Diese Altersgruppe hat man über Jahre hinweg vernachlässigt. Junge A&R-Leute haben nur gesignt, was hip und credibel war. Die ältere Zielgruppe hat da keine Rolle gespielt. Erst zuletzt haben es Firmen wie 105 Music verstanden, diese Gruppe, die doch die größte überhaupt ist, wieder anzusprechen und damit sehr erfolgreich zu sein. Es hat sich gerächt, dass man kurzfristig und mit Marketing Acts hochpuscht, diese dann ausquetscht und sie wie eine benutzte Plastiktüte wegwirft.

MW: Würden Sie der These zustimmen, dass die Rettung der Musikbranche aus dem Live-Geschäft kommt?

Bönisch: Die Waage der Musikindustrie schlägt zur Zeit sicherlich mehr zugunsten der Live-Branche aus. Aber auch die Plattenfirmen werden auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen bei der Entwicklung neuer Acts, das sollten wir auf keinen Fall unterschätzen. Als Konzertveranstalter sind wir jedoch in der glücklichen Lage, dass stets neue Kunden nachrücken, die alten aber nicht wegbrechen. Denn wer mit Elvis Presley, den Rolling Stones, Deep Purple oder später mit Depeche Mode groß geworden ist, geht auch heute noch zu Konzerten. Die älteren Generationen sind heute viel jugendlicher als noch unsere Großeltern – und sie sind finanziell in der Lage, die Eintrittspreise zu bezahlen, die wir verlangen. Deswegen ist unsere Branche trotz der rohen Risiken vom Potenzial her relativ gesund.

MW: Wie lautet Ihre Zukunftsmaxime?

Bönisch: Man muss auf langfristige, nicht auf kurzfristige Entwicklungen setzen. Wir dürfen uns nicht blenden lassen von einem Strahlen, das schnell verglüht. Stattdessen sollte man hinter die Kulissen schauen und prüfen, ob ein Künstler viel Substanz hat. Dann sollte man mit ihm arbeiten, ihn fördern, ihn fair behandeln und ihm eine Heimat schaffen. Dann bleibt man auch ohne Verträge zusammen und kann gemein Erfolge erzielen.


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